Archiv für Juli 2011

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Alles was rechts ist

„Die Antideutschen“ werden von der „Marxistischen Aktion Tübingen“ (MAT) in ihrem Reader „»GOOD BYE, LENIN!« VOM »ABBRUCHUNTERNEHMEN DER LINKEN« INS RECHTE LAGER: EINE KRITIK »ANTIDEUTSCHER« IDEOLOGIE UND PRAXIS.“ wie der Titel zeigt als irgendwie „rechts“ eingestuft.
Ähnlich sieht es auch die überaus positive Rezension in der Tageszeitung „Junge Welt“ (JW) in der Kategorie „Politisches Buch“. Unter dem vielsagenden Titel „Eine Abrechnung“ schreibt ein Markus Bernhardt am 4. Juli 2011 in der MAT-Broschüre seien die Antideutschen und „ihre im Kern anti-antifaschistische und anti-aufklärerische Attacken“ entlarvt worden. Für Markus Bernhardt sind die Antideutschen „neurechten Kriegsapologeten, die sich kaum mehr von braunen Pendants wie »Pro Deutschland« unterscheiden“.

Statt der Analyse einzelner bedenklicher und reaktionärer Tendenzen wie beispielsweise bei der Zeitschrift „Bahamas“ [1], werden unter der Fremdetikettierung „Antideutsche“ generell antinational eingestellte Linksradikale zu Krypto- und Protofaschisten abgestempelt. Das geschieht entgegen dem Wissen der MAT, dass die von ihr gemeinte Gruppe besonders in Tübingen-Reutlingen konsequent antifaschistische Arbeit leistet. So nahmen nicht gerade wenige von den, von der MAT als „Antideutsche“ gelabelte Personen an der Demonstration gegen die Bundeswehrvereidigung 2010 und gegen das rechtspopulistische „Islamkritische Wochenende“ 2011 in Stuttgart teil. Es werden also wider besseres Wissen Antifaschist*innen der Praxis und der Überzeugung in die rechte Ecke gestellt. (mehr…)

Nachträgliche Klarstellung

Da ich nach meinem Vortrag „Antiimperialismus und Ideologie“ am 18.07., gehalten im Epple-Haus, von einigen Leuten angesprochen wurde auf einen von mir eröffneten Zusammenhang, indem ich die „Marxistische Aktion Tübingen“ mit der „Aktion der Tupamaros West-Berlin“ (die einen antisemitischen Anschlag auf die „Jüdische Gemeinde Berlin“ im Jahre 1969 verübte) verglichen hätte, wollte ich nochmal nachträglich klarstellen: Der Zusammenhang bezog sich für mich einzig auf die Tatsache, dass beide sich als „Aktion“ bezeichnen. Mir ging es hierbei nicht darum, die „Marxistische Aktion Tübingen“ mit einer solchen Gruppierung gleichzusetzen. Da aber offensichtlich die Wahrnehmung dahin ging, ich hätte genau dies intendieren wollen, soll noch einmal ausdrücklich gesagt werden: Dieser Vergleich zielte weder darauf ab einen solchen Anschlagsversuch, der zum Glück scheiterte, zu relativieren, noch darauf, die „Marxistische Aktion Tübingen“ mit dieser Gruppierung auf eine Ebene zu stellen.

Daniel Späth

Die Unschuld der deutschen Arbeiterklasse: Ein Rückfall hinter mehrere Jahrzehnte Geschichtsforschung

In Teilen der radikalen Linken ist die Dimitroff-These, wonach der Nationalsozialismus vor allem die „offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals” sei, leider bis heute virulent. Sie wurde häufig neu ausformuliert, die beiden Grundaussagen aber bleiben dieselben:
1. Hauptverantwortliche für die zwölf Jahre Nationalsozialismus waren Teile des Finanzkapitals.
2. Daraus ergibt sich die relative Unschuld der einfachen deutschen Bevölkerung, insbesondere der Arbeiterschaft, die ja nur einem perfiden Trick im Klassenkampf von oben zum Opfer gefallen sei. Daraus wiederum ergibt ergibt sich dann auch, dass das – je nach Präferenz bevorzugte – Subjekt „Proletariat“ oder „deutsches Volk“ unbeschädigt sei. (mehr…)

„Hello, Lenin!“ Vom Vorwärts ins Zurück!: Eine Kritik „marxistisch“-leninistischer Ideologie und Praxis

Mein allerliebstes Feindbild: Die Antideutschen
Nun hat die „Marxistische Aktion Tübingen“ mal wieder zugeschlagen. Diesmal hat sie einen 33seitigen Reader mit dem Titel „»GOOD BYE, LENIN!« VOM »ABBRUCHUNTERNEHMEN DER LINKEN« INS RECHTE LAGER: EINE KRITIK »ANTIDEUTSCHER« IDEOLOGIE UND PRAXIS.“ produziert. Ehrlich gesagt, etwas enttäuschend. Es ist kaum mehr als was man von der MAT schon in der – inzwischen notabgeschalteten – Tueinfo-Kommentarspalte lesen konnte. Der aufgrund seines Umfanges erst einmal imposant erscheinende Reader ist also auch nichts anderes als das was viele Zeitungen aller ein, zwei Jahre mit ihren Comicstrips machen: eine Wiederauflage von Altbekannten. Das Lied ist das alte und es wird auch nicht besser, je schriller man es singt: Die Antideutschen sind eigentlich Anhänger einer völkischen Ideologie, die wahren Antisemiten , Proto-Deutsche, Israel-Fetischisten, „kapitalismusfreudige[n] Neocons US-amerikanischen Zuschnitts“ (Seite 27), „willige Vollstrecker der herrschenden Klasse“ (Seite 30) und machen überhaupt alles kaputt. Soweit, so gähn.
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