„Hello, Lenin!“ Vom Vorwärts ins Zurück!: Eine Kritik „marxistisch“-leninistischer Ideologie und Praxis

Mein allerliebstes Feindbild: Die Antideutschen
Nun hat die „Marxistische Aktion Tübingen“ mal wieder zugeschlagen. Diesmal hat sie einen 33seitigen Reader mit dem Titel „»GOOD BYE, LENIN!« VOM »ABBRUCHUNTERNEHMEN DER LINKEN« INS RECHTE LAGER: EINE KRITIK »ANTIDEUTSCHER« IDEOLOGIE UND PRAXIS.“ produziert. Ehrlich gesagt, etwas enttäuschend. Es ist kaum mehr als was man von der MAT schon in der – inzwischen notabgeschalteten – Tueinfo-Kommentarspalte lesen konnte. Der aufgrund seines Umfanges erst einmal imposant erscheinende Reader ist also auch nichts anderes als das was viele Zeitungen aller ein, zwei Jahre mit ihren Comicstrips machen: eine Wiederauflage von Altbekannten. Das Lied ist das alte und es wird auch nicht besser, je schriller man es singt: Die Antideutschen sind eigentlich Anhänger einer völkischen Ideologie, die wahren Antisemiten , Proto-Deutsche, Israel-Fetischisten, „kapitalismusfreudige[n] Neocons US-amerikanischen Zuschnitts“ (Seite 27), „willige Vollstrecker der herrschenden Klasse“ (Seite 30) und machen überhaupt alles kaputt. Soweit, so gähn.
MAT-Broschuere

Wenn man wollen würde, könnte man nun die ganze Geschichte umdrehen. Man könnte mit Textstellen gut beweisen, dass bestimmte Formen des Antiimperialismus und Antikapitalismus anfällig sind für reaktionäre bis rechte Ausdeutungen. Man könnte zeigen, dass extreme Rechte teilweise ähnliche Argumentationsformen verwenden. Praktische Beispiele dafür gäbe es auch, von B wie „Bandbreite“ bis V wie „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“.
Das ist aber ein eher unsinniges Vorgehen. Das einzelne Protagonisten bestimmter linker Ideologien reaktionär bis extrem rechts geworden sind, ist ja nur ein mögliches Ende. Wichtiger ist nachzuvollziehen, wie es dazu kommen konnte und ob diese politischen Einstellungen die Menschheit weiter voranbringen, also fortschrittlich sind. Das Ablehnenswerte am personalisierten Antikapitalismus beispielsweise, ist ja nicht nur die strukturelle Ähnlichkeit zum Antisemitismus und damit die erhöhte Gefahr eines Überwechseln zu diesem, sondern dass er auf komplett falschen Annahmen und Analysen beruht.

In Zukunft soll daher in loser Folge auf einzelne, besonders gefährliche bzw. unlogische Aspekte und Ideologeme in der Argumentation der MAT eingegangen werden. Die Fehlannahmen und -Analysen von MAT und Co. bezüglich des Israel/Palästina-Konfliktes sollen nach Möglichkeit nicht noch einmal aufgerollt werden. Dies geschieht auch um den Zirkel der ständigen Wiederholungen zu durchbrechen.
Hiermit ist die Blog-Unterkategorie „Schach MAT“ eröffnet!!!