Archiv für Oktober 2011

Kurzes Statement zum neuesten MAT-Text

Inhaltlich hat die neueste Veröffentlichung der „Marxistischen Aktion Tübingen“ (MAT) nichts wirklich Neues zu bieten. Neu jedoch ist, das explizit Personen Gruppen zugeordnet und benannt werden. Der Text bezieht sich auf die linken Gruppen „AK Linke Irrwege“, die „Antifa Reutlingen-Tübingen“, den Tübinger Infoladen und „Emanzipation & Frieden“ aus Stuttgart. Mehrmals wird szene-internes Wissen der Online-Öffentlichkeit preisgegeben. Darunter finden sich zwar mehrmals auch falsche Angaben, aber das ändert nichts daran dass hier Personen in Antifa-Manier geoutet werden.
Da wird die örtliche Antifa-Gruppe im Epplehaus verortet, ein antifaschistischer Autor und Referent wird zwei Gruppen als Mitglied zugeordnet, für die er offiziell nur als Referent aufgetreten ist, und sein Name wird explizit als Pseudonym gekennzeichnet.
Repressions-Organe und Rechte klatschen bei solch einem Offenbarungs-Eifer natürlich hocherfreut in die Hände.

So ein Vorgehen ist aber kein Zufall oder Versehen. Es ist der Logik geschuldet, die auch den vorangegangenen Texten zugrunde liegt. Der politische Gegner innerhalb der Linken wird entgegen von den Eigenzuordnungen als „nicht links“ eingeordnet, denn er ist protofaschistisch, neokonservativ oder zumindest auf direkten Weg dorthin. Folglich gelten auch nicht die innerlinken Benimmregeln zum Schutz vor Repressions-Organen und Nazis.

Der „AK Linke Irrwege“ maßt sich dagegen keine Definitionsmacht über die politische Eigenzuordnung „links“ an. Genau deswegen lautet der Name des AKs ja auch „Linke Irrwege“.
Weiterhin werden wir uns keinesfalls auf den schlechten Stil und das Niveau der MAT herablassen und Strukturen oder Namen bzw. Pseudonyme öffentlich machen. (mehr…)

Über den Bannfluch des Antikommunismus aus Gründen der Kritik-Abwehr

Das ist nicht der Kommunismus!
BILD: Ein „antikommunistisches“ Motiv oder doch nur die Ablehnung von autoritärer Herrschaft?

Eine Linke, die fragend voranschreiten will, muss sich schonungslos ihrer eigenen Vergangenheit stellen und darf darüber hinaus die gegenwärtigen linken Irrwege nicht vergessen. Wer die Vergangenheit nicht versteht, der ist gezwungen sie zu wiederholen.
Alle linken Missstände müssen dabei ohne Scheu und Scheuklappen konsequent auf den Tisch gebracht werden.
Eine Form der störrisch-ignoranten innerlinken Kritikabwehr ist der Antikommunismus-Vorwurf. Dabei wird die Brandfackel des Antikommunismus-Vorwurfs in das Haus der Kritiker geworfen, in der Hoffnung, dass dieser Vorwurf zünde und gleich das ganze Gerüst der Kritik abbrenne.
Mit der Begrifflichkeit „Antikommunismus“ wird die ernsthafte Kritik an linken Zuständen gleich von Anfang an denunziert. Denn Antikommunismus, das ist doch die Ideologie von Hitler, dem Papst und neuerdings von Breivik.

Marxistisch-leninistische Gruppen wie die „Marxistische Aktion Tübingen“ (MAT) fordern von anderen Linken eine solidarische Kritik ein. Geschieht das nicht, sondern stoßen sie auf Ablehnung ihrer Ideologie, so wird das als „Antikommunismus“ gebrandmarkt. Das heißt, es wird von anderen Linken generell erwartet, dass sie bestimmte Grundpositionen teilen oder wenigstens für diskutierbar halten. Ein Teil der Linken lehnt aber jedweden Bezug auf staatssozialistische Projekte, oldystyle-Klassenkampf (nicht zu verwechseln mit sozialen Kämpfen) oder Partei- und Kader-Organisation ab.
Diese grundlegende Ablehnung und grundsätzliche Kritik empört nun die MAT und wird als „unsolidarisch“ denunziert. Durch das Ablegen in der Schublade „Antikommunismus“ wird suggeriert, es handle sich um eine ungerechtfertigte und „bürgerliche“ Kritik. (mehr…)