Kurzes Statement zum neuesten MAT-Text

Inhaltlich hat die neueste Veröffentlichung der „Marxistischen Aktion Tübingen“ (MAT) nichts wirklich Neues zu bieten. Neu jedoch ist, das explizit Personen Gruppen zugeordnet und benannt werden. Der Text bezieht sich auf die linken Gruppen „AK Linke Irrwege“, die „Antifa Reutlingen-Tübingen“, den Tübinger Infoladen und „Emanzipation & Frieden“ aus Stuttgart. Mehrmals wird szene-internes Wissen der Online-Öffentlichkeit preisgegeben. Darunter finden sich zwar mehrmals auch falsche Angaben, aber das ändert nichts daran dass hier Personen in Antifa-Manier geoutet werden.
Da wird die örtliche Antifa-Gruppe im Epplehaus verortet, ein antifaschistischer Autor und Referent wird zwei Gruppen als Mitglied zugeordnet, für die er offiziell nur als Referent aufgetreten ist, und sein Name wird explizit als Pseudonym gekennzeichnet.
Repressions-Organe und Rechte klatschen bei solch einem Offenbarungs-Eifer natürlich hocherfreut in die Hände.

So ein Vorgehen ist aber kein Zufall oder Versehen. Es ist der Logik geschuldet, die auch den vorangegangenen Texten zugrunde liegt. Der politische Gegner innerhalb der Linken wird entgegen von den Eigenzuordnungen als „nicht links“ eingeordnet, denn er ist protofaschistisch, neokonservativ oder zumindest auf direkten Weg dorthin. Folglich gelten auch nicht die innerlinken Benimmregeln zum Schutz vor Repressions-Organen und Nazis.

Der „AK Linke Irrwege“ maßt sich dagegen keine Definitionsmacht über die politische Eigenzuordnung „links“ an. Genau deswegen lautet der Name des AKs ja auch „Linke Irrwege“.
Weiterhin werden wir uns keinesfalls auf den schlechten Stil und das Niveau der MAT herablassen und Strukturen oder Namen bzw. Pseudonyme öffentlich machen.

Ebenfalls in schlechtester Antifa-Tradition befindet sich der MAT-Text mit seinem Kontaktschuld-Vorwurf. Der Vorwurf lautet das jemand jemanden kennt, der jemand kennt, die jemanden kennt. Es wird so der oberflächliche Eindruck erzeugt das inhaltliche Positionen mit (bisher unbekannten) Dritten geteilt werden. In diesem speziellen Fall geht es um die gemeinsame Mitgliedschaft von einzelnen Mitgliedern der Gruppe „Emanzipation & Frieden“ und einem ehemaligen NATO-Funktionär in der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ (DIG), aus der eine ideologische Gemeinsamkeit konstruiert wird. Die eigentliche Frage wäre doch gewesen, ob über ihr gemeinsames Engagement und Interesse für Israel hinaus Positionen geteilt werden oder ob Informationen aus der linken Szene an nicht-linke DIG-Mitglieder weitergegeben wurden? Für beides gibt es keinerlei Anhaltspunkte.

Zum Schluss soll nochmal kritisch gefragt werden, ob eine gemeinsame Mitgliedschaft in einem Verein dieselbe Empörung hervorgerufen hätten, wenn das Kürzel DIG für „Deutsch-Indische Gesellschaft“ stehen anstatt für „Deutsch-Israelische Gesellschaft“ würde. Trotz der blutigen militärischen Operationen des indischen Staates in Kaschmir, in Nordost-Indien und gegen aufständische Naxaliten, die weitaus mehr Opfer gefordert haben als der ganze Israel-Palästina-Konflikt, käme wohl niemand auf die Idee jemanden die Mitgliedschaft in der „Deutsch-Indischen Gesellschaft“ vorzuwerfen bzw. zum Anlass für Kritik zu nehmen, weil da auch noch andere Personen Mitglied sind, die nicht links sind. Es fragt sich, warum wieder einmal Israel derart pathologische Beissreflexe hervorruft.