Archiv für April 2012

26.04.2012, Vortrag: Einführung in die Kritik des Antiimperialismus


Alles „anti-linke Hetze“?

»Befreien wir sie von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebildeten Wesen, unter deren Joch sie verkümmern. Rebellieren wir gegen diese Herrschaft der Gedanken.«*1

Die konterrevolutionären Niederschlagungen der Selbstemanzipation der Menschen durch die vermeintlich revolutionären BolschewistInnen und ihrer ideologischen Zerfallsprodukte finden sich in der Geschichte der immer wieder hervortretenden ArbeiterInnenräte (Sowjets), die 1917 von eben diesen Bolschewisten rekuperiert, und 1921 von Lenin und Trotzki in Kronstadt liquidiert wurden und ebenso der parteilosen, selbstverwalteten Machnowschtschina Jahre 1922 in den Rücken fielen und die Bewegung niederschlugen.
China 1927 steht für ein frühes, brutales militärisch-bürokratisches Unterbrechen und Abblocken einer beginnenden revolutionären Bewegung eines entschlossenen, aber zahlenmäßig sehr schwachen Proletariats.
1936-37 sind die Räte in Spanien durch die anarchistische Gewerkschaft rekuperiert, von den StalinistInnen von innen und vom deutschen Nationalsozialismus sowie vom italienischen Faschismus von Außen niedergemacht worden.
Die sogenannte »Großen Proletarischen Kuturrevolution« 1966-1969 in China gibt par excellence das historische Beispiel einer bürokratischen Wirtschaftsform, einer nachholenden staatskapitalistischen Akkumulation ab, die sich als Sozialismus ausgegeben hat. Die in dieser vom bürokratischen Terror beschleunigten ursprünglichen Akkumulation neu entstandenen Widerstände sind mit dem extremen Führerkult einer Person, die des Mao ZeDongs, repressiv sublimiert worden.

Insgesamt führte das von Teilen des ›Proletariats‹ spektakulär und knechtisch angebetete Modell der ›sozialistischen‹ Oktoberrevolution sowie der »Großen Proletarischen Kuturrevolution« in zahlreichen Ländern zur Dogmatisierung derjenigen Parteien, die sich am bolschewistischen Modell orientierten und zur Liquidierung alternativer kommunistischer Organisierungen.
Aus diesen historischen Schwächen und Niederlagen der Räteorganisierung muss gefolgert werden, dass die fetischistischen Trennungen der hierarchischen Klassengesellschaft, welche sich in den revolutionären Kampf- und Organisationsformen immer wieder produziert haben und sich jederzeit wieder reproduzieren können, schon im Keim aufzubrechen und zu überwinden sind. Das bedeutet in erster Linie, dass die Entfremdung nicht mit entfremdeten Mitteln bekämpft werden kann, ansonsten stellt sich »die ganze alte Scheiße« (Marx) und mit ihr die gesellschaftlich hierarchische Trennung immer wieder her. Um die mögliche (nicht ›objektiv automatische‹!) Selbstorganisierung der Menschen zu begünstigen, muss der Leninismus in all seinen Spielarten strikt abgelehnt werden! (mehr…)