Archiv für August 2012

Das Projekt einer „emanzipatorischen Antimoderne“ – Ein Nachruf auf Robert Kurz

von Daniel Späth

„Die Aussichtslosigkeit der Alternativen, wie sie aus dem modernen warenproduzierenden System noch hervorgehen, legt mit immer größerem Nachdruck die Kritik des kategorialen Zusammenhangs selbst nahe, in dessen Grenzen sich alles bisherige Denken und Handeln der Moderne bewegt hat. Man kann sich winden und wenden, wie man will: Die Moderne, das heißt die Realmetaphysik der Wertform oder das Fetischverhältnis des Kapitals, kann auf keine Weise „neu erfunden“, sondern nur noch überwunden werden. Es bedarf einer emanzipatorischen Antimoderne, die nur aus einer Transformation der linken Gesellschaftskritik hervorgehen kann.“ 1

Das Projekt einer „emanzipatorischen Antimoderne“, wie es Robert Kurz in dem abschließenden Kapitel seines Buches „Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung“ antizipierte, hatte von Anfang kein geringeres Ziel, als die theoretische Kritik der gesamten kapitalistischen Modernisierungsgeschichte, ihrer bürgerlich-ideologischen Verlaufsformen, sowie deren innerlinker Derivate. Dass ein solches Projekt freilich nicht vom Himmel fällt, sondern allein durch ein beständiges Herausarbeiten aus der eigenen bürgerlichen Subjektform bewerkstelligt werden kann, dafür steht die theoretische Entwicklung von Robert Kurz beinahe mustergültig. Sie umfasst als Startpunkt eine von Lenin beeinflusste Marx-Interpretation und endet mit der Einsicht in die unabdingbare Notwendigkeit einer Transformation der Wertkritik in die Wert-Abspaltungs-Kritik. (mehr…)